Codex Luminis – Creatio

Am Anfang war das Nichts.

Dies sah Athun und machte sich auf eins zu werden mit dem Nichts. So wurde er gewahr, das außer ihm selbst nichts war und er begann zu erstrahlen, ob nicht doch mehr als nichts um ihn herum wäre. Doch es war nichts.

So erschuf Athun Uodan und Mara. Und er sah, wie diese sich umtanzten in einem Reigen immerfort und befand, dass dies zu seinem Wohlgefallen war. Hernach erschuf er Mani, Kani und Ilteri, auf dass sie sich einfügen sollten in den Reigen Uodans und Maras. So geschah es, wie Athun es vorhergeplant hatte und fortan bewegten sich alle fünf in einem immerwärenden Reigen, dass es eine Wonne war, sie zu betrachten. Tausende Zyklen erfreute sich Athun des Anblicks, bis er den Entschluß fasste, kleines Leben zu erschaffen. Wenn derer klein sind, so plante Athun in seiner unendlichen Weisheit, so können derer viele sein. Uodan und Mara wählte er aus, das kleine Leben zu beherbergen. Auf Mara sollten die kleinen Lebewesen wandeln und Uodan sie bedecken. Bevor er aber das kleine Leben schuf, veränderte Athun das Antlitz der Mara. So schuf er die Meere und die Kontinente, Berge und Seen. Und dies dauerte wohl mehrere hundert Zyklen.

Als dies vollbracht war, begann Athun mit der Schöpfung des kleinen Lebens. Zuerst schuf er Pflanzen. Derer so viele und so mannigfaltig, dass auch dies mehrere hundert Zyklen in Anspruch nahm. Alsbald darauf erschuf Athun die Tiere zu Wasser, zu Land und in der Luft. Kaum war ihm dies gelungen stellte Athun fest, dass die Zyklen nur so dahin gerast waren und er beschloß sich nun sein Werk zu betrachten. Ihm gefiel was er sah und die Tiere und Pflanzen mehrten sich und wurden noch mannigfaltiger, als er sie ohnehin schon erschaffen hatte. Lange betrachtete Athun seine Schöpfung und je länger er hinsah, desto mehr stieg in ihm eine rechte Unzufriedenheit auf. Er hatte noch kein Leben erschaffen, was ihm selbst ähnlich war. So überlegte Athun, kleines Leben zu schaffen, was denken konnte, kreativ wäre und selbst schöpferisch tätig. So suchte er sich eine Tierart aus und gab diesen Tieren die Gaben des Verstandes, der Kreativität und der Selbsterkenntnis. Zuerst waren dies die Aves. Doch er beobachtete sie und war unzufrieden. Sie hatten sich nur wenig verändert. Wohl kam Athun zu dem Schluß, er hätte ihnen nicht genügend der Gaben eingehaucht. So erwählte er die Ursae, Felidae, Kentaren und Ningyo und gab ihnen, was er zuvor den Aves gab, jedoch ungleich mehr. Wiederum missfiel ihm das Ergebnis. Nun entschied Athun, dass es nicht von Vorteil war, so viele Arten zugleich auszuwählen und er erwählte allein die Kräl, die nun sein Segen ereilen sollte.

Vortrefflich entwickelten sich die Kräl. Zuerst begannen körperliche Veränderungen. Sie erschlossen immer neue Lebensräume, einigen wuchsen bald Flügel und sie begannen in der Luft zu leben, wie die Aves. Andere zog es unter Wasser und sie lebten dort wie die Ningyo. Die Kräl bauten Städte und gründeten große Reiche. Keine hundert Zyklen vergingen, da erschufen die Kräl gar selbst Zeythai und Daeva. Doch was musste nun Athun mit ansehen. Die Kräl zogen gegeneinander in den Krieg und missbrauchten die neu geschaffenen Daeva und Zeythai als Soldatenvolk. Und mehr noch. Nicht alle Kräl zogen in den Krieg. Einige unter ihnen begannen abermals die Verwandlung ihrer selbst und zogen fort. Der Krieg dauerte noch viele Zyklen an. Bis eines Tages die Daeva sich erhoben gegen ihre Herren und dies sehend auch die Zeythai ihre Meister hinfort jagten. Dort wo einst die großen Stätten der Kräl standen, gründeten auf deren Ruinen im Westen die Daeva nun ihr eigenes Reich. Den östlichen Teil nahmen die Zeythai in Besitz und fortan ward dies ihr Land. Die Kräl jedoch wurden fortgejagt und Athun strafte sie von nun an mit Verachtung. Bitter enttäuscht hatten sie ihn.

Mit Wohlwollen jedoch betrachtete er diejenigen der Kräl, die unter Verwandlung fortgegangen und neue Länder urbar gemacht hatten. Unter neuen Namen sollten sie fortan bekannt sein; die Ungar, Dvergr und Ælfen.

Athun beobachtete viele Zyklen lang ihr Handeln und Tun und merkte sich gut, was sie taten. Eines Tages, da sein Wissensvorrat über kleines Leben derart gigantisch geworden war, dass er selbst nur mit Mühe noch Überblick behalten konnte, wagte Athun einen letzten Schöpfungsakt. Athun erschuf die Menschen.

Posted in Codex Luminis | Tagged as: , , , , , , , , | Leave a comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.