Die vergangenen Zyklen – Kapitel I

Am Anfang war das Universum.

Als Uodan und Mara eines leeren Winkels gewahr wurden, wählten sie diesen Ort der Leere um vor aller anderen Blicke ungesehen sich ihrer Liebe hinzugeben.

So entsprang Athun der Mara Schoß und Uodan frohlockte ob seines erstgeborenen Sohnes. Athun wuchs heran zu einer wahrlich strahlenden Persönlichkeit. So sehr strahlte sein Antlitz, dass Mara und Uodan ihn bald fortschickten, zu erleuchten den Ort aus der Ferne. Athun tat wie ihm geheißen und beschien den Ort, ganz zur Freude seiner Eltern. Jedoch schweifte sein Blick oft in die Ferne und dort wo sein Blick für eine kurze Weile ruhen blieb, so wurde in der Ferne, weit weg, ein kleines Leuchten entfacht. Uodan und Mara jedoch, dies gewahr werdend, erfreuten sich, denn sie erkannten, dass Athun nun selbst sein eigener Herr sein würde, und gaben sich einander hin.

So gebar Mara ihre Töchter. Mani, die Älteste, dann Kani und Ilteri, die Jüngste. Die drei Schwestern erfreuten ihrer Vater und Mutter Herz, doch schon bald sollte die Zeit kommen, da auch sie hinausgehen sollten, auf eigenen Beinen stehen. So verließen, als die Zeit gekommen war, die Schwestern der Eltern Heimstatt. Doch uneins über den Weg, welchen sie einschlagen sollten, gingen sie in Streit auseinander und eine jede schlug ihre eigene Bahn ein. Jedoch erfasste die Schwestern nicht bald darauf die Sehnsucht nach einander und so kam es, dass sie sich gemeinsam trafen und sich aneinander erfreuten. Aber wiederum gerieten sie in Streit und abermals trennten sich ihre Wege. Und so gehen sie auseinander und kommen zusammen bis zum heutigen Tage. Derweil schlief Mara ein. Erschöft von der Erfüllung ihrer mütterlichen Pflichten, sah sie nun, dass sie sich ausruhen konnte und schlief. Äonen.

Uodan derweil bewachte Ihren Schlaf. Jedoch bemerkte Uodan, daß auch er müde geworden war und beschloß Vorkehrungen zu treffen den Schlaf Maras und den seinen nicht unbewacht zu lassen. So erschuf Uodan die Kräl und gab ihnen Tiere und Pflanzen, auf dass sie sich ein Leben lang nicht sorgen mussten und über Generationen hinweg seinen Schlaf und den Schlaf seiner geliebten Mara bewachen und beschützen sollten. Kaum war all dies vollbracht, fiel auch Uodan in einen tiefen Schlaf.

Das Volk der Kräl wuchs und gedieh und vergaß über die Jahrhunderte die ihnen abverlangte Aufgabe. Uodan hatte ihnen Neugier und Verstand gegeben und sie nutzen beides, den Ort ihres Daseins zu erforschen. So fanden sie bald heraus, die Liebe der schlafenden zu nutzen und nannten es Durchdringung, da die Liebe zwischen Mara und Uodan wirklich alles und jeden durchdrang. Nur das Wissen um den Ursprung, dass es nämlich die Liebe ihrer Erschaffer war, blieb den Kräl verborgen. So lebten die Kräl viele Generationen, häuften immer mehr Wissen an und bevölkerten das Land, das Wasser und die Luft. Auch gewannen sie Schätze aus Maras Eingeweiden und nutzten die Kräfte des schlafenden Uodan zur Schifffahrt und zum mahlen des Korns. Viele Generationen lang lebten die Kräl ein glückliches Dasein, doch bald entstand Streit unter ihnen über die Verteilung der Schätze, die sie Maras Eingeweiden mit viel Anstrengung entrissen hatten.

Bald nachdem die Kräl zu streiten begannen, brach Krieg unter ihnen aus. Die einen erschufen Zeythai, damit diese als Soldaten die nun Feinde genannten Kräl bekämpfen sollten. Diese wiederum erschufen die Daeva und schickten diese in die Schlacht gegen die Zeythai und ihre Meister. Der Krieg verheerte das Land. Wo einst stolze Städte standen, ward nun Wüstenei. Jedoch gab es auch unter den Kräl viele, die des Krieges leid waren und müde wurden. Diese begannen sich selbst zu verwandeln, auf dass sie von Ihresgleichen nicht als solche wahrgenommen werden konnten und somit frei von Furcht sein konnten, zu Krieg und Brudermord gezwungen zu werden. Jedoch stellte sich heraus, dass diese Verwandlungen nicht nur von kurzer Dauer waren. Die Macht der Durchdringung formte völlig neue Wesen aus denen, die diesen Weg einschlugen. Die so Verwandelten aber zogen fort. Fern der Heimat gründeten sie Städte und Dörfer und glanzvolle junge Reiche erhoben sich. Diejenigen unter den Kräl, denen jedoch der Sinn nach Krieg stand wurden weniger und weniger. Und bald schon wurden die Zeythai und Daeva des Kampfes überdrüssig, erhoben sich gegen ihre Meister, vertrieben diese und errichteten neue Reiche an den alten Stätten der Kräl. Die Kräl jedoch flüchteten sich in die hintersten Winkel und Athun, der all dies sah, gab ihnen auf Buße zu tun bis an das Ende ihrer Tage.

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